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28

Okt

2011

Breitbandberater - Die Anschlusskrise

Breitband Deutschland - Die Anschlusskrise

"Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert" scheint in diesen Tagen nicht nur in der Finanzwelt, sondern auch vermehrt bei dem Großen der Kommunikationsanbieter als Motto Einzug zu halten.

Erst letztes Jahr klagte einer der größten Reseller des Telefondraht-Monopolisten wegen Behinderung bei der technischen Umsetzung von Kundenanschlüssen. Er hatte den Eindruck, nach technischen Problemen gäb es dann spontan funktionierende Lösungen, sofern sich der Kunde für den Monopolisten entscheide. Man nannte das noch vorsorglich Schlamperei, da ein Vorsatz bei der gelebten Geheimniskrämerei über den tatsächlichen Zustand des Telefonnetzes noch eigeräumt wurde.

 

Dabei hätte man doch denken können, dass der Monopolist an Partnern, die die alte Infrastruktur noch freiwillig nutzen wollen, kräftig verdient. "Einerseits habe er die Kosten über die Anschlussgebühren auf die Kunden abgewälzt. Gleichzeitig habe er die Beiträge Wettbewerbern berechnet, die für ihr Geschäft auf die Daten des Monopolisten angewiesen seien." schreibt Presse.com noch im Juni 2011.

 

Der Monopolist strebt offensichtlich das Kundengeschäft an, in Teilen erstaunlich intensiv. Die Verbraucherzentrale Hamburg musste Klage in Bonn einreichen, denn - so titelt das Hamburger Abendblatt - "Viele Kunden fühlten sich vom Monopolisten drangsaliert. [..] Aggressive Verkäufer des Monopolisten hatten ahnungslosen Kunden teure Produkte untergeschoben."

 

Bis zu diesem Punkt hätte man von unbeabsichtigten Nebeneffekten sprechen können. Per Gericht wurde dem Monopolisten untersagt, weiterhin volumenorientiert gedrosselte Datentarife als Flatrates zu verkaufen. Statt sich dem unterzuordnen, legt der Monopolist Einspruch ein und geht in die nächste Instanz.

 

Warum reagiert der Marktführer derart aggressiv?

 

Auf seinen Telefonkabeln liefert er Dienste "bis zu" 16.000 mit ADSL-Technologie und noch mehr Bandbreite mit VDSL-Anschlüssen.

 

Die Realität ist hier etwas differenzierter. Die Breitbandheterogenität steigt. Viele Kupferkabel sind so dünn, dass die VDSL-Technologie in vielen Orten nie eingesetzt werden kann. ADSL mit den beworbenen 16.000 wird für die wenigen, die in der Nähe eines Schaltverteilers wohnen, vielleicht mit knapp 12.000. ermöglich. Und mit jedem geschalteten Anschluss und mit jeder neuen Nutzungsmöglichkeit stören sich die Telefonkabel gegenseitig einmal mehr.

 

In vielen Ortsnetzen hat dies dazu geführt, dass Teilnehmer, die als sogenannter Early Bird mit 2 MBit/s Breitbandpioniergeist völlig zufrieden waren, inzwischen über dieselbe Leitung keine 384KBit/s mehr transportieren können. Dabei sind diese Werte noch für den Download bedeutsam. Im Upload sind die Bandbreiten nur ein Bruchteil so hoch. Da spricht man von 64KBit/s. Welche Zukunftsdienste soll man damit nutzen? VoIP mit guter Sprachqualität benötigt immerhin schon 80 KBit/s.

 

Einige Gemeinden haben derzeit per Fördergeldabruf die Marktsituation in doppelter Hinsicht verschärft. Hier wurde der Monopolist beauftragt, mit Glasfaserstrecken den Weg ins Netz zu verkürzen, um vermeintlich für alle höhere Bandbreiten zu schalten. Doch auch hier hat sich gezeigt, dass inzwischen das gegenseitige Stören der Telefonleitungen viel stärkeren Einfluss auf die Qualität der Teilnehmeranschlussleitung besitzt, als die eingesparte Lauflänge. Zudem übt der Monopolist nun vor Ort eine stärkere marktbeherrschende Stellung aus, als im bundesweiten Ansatz. Dabei nützt es wenig, wenn eingeräumt wird, in absehbarer Zeit dürften andere Marktteilnehmer aufs Netz.

 

Ab 2014 werden die Hauptverteiler des alten Telefonnetzes schrittweise zurück gerüstet. Dann gibt es SDH, ISDN oder analoges Telefon nur noch vom nächsten Emulator, wenn überhaupt. Einige Reseller des Monopolisten werden Probleme haben, den bisherigen Betrieb weiterzuführen. Als Auffangbecken wird sich dann der Monopolist anbieten, der dann auch gleich die passenden Produkte zu entsprechenden Preisen bietet.

 

In eigener Sache möchten wir darauf hinweisen, dass wir als Breitbandberater der Neutralität verpflichtet sind. Wir beobachten den Markt und ihre Teilnehmer und sind nicht verlegen, positive, wie negative Eindrücke zu vermitteln, denn Schweigen kann Neutralität nicht dokumentieren.

 

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